Berufsunfähigkeit

Optimaler Schutz bei Berufsunfähigkeit
Kann der Beruf nicht mehr ausgeübt werden, entstehen oft existenzbedrohende Situationen, weil die regelmäßigen Einnahmen fehlen oder nicht mehr ausreichen. Es entsteht eine Versorgungslücke. Als Versorgungslücke wird üblicherweise die Differenz zwischen dem monatlichen Nettoeinkommen und den nach Eintritt von Berufsunfähigkeit verbleibenden Einnahmen – etwa aus der gesetzlichen Rentenversicherung – bezeichnet. Zusätzliches Einkommen, zum Beispiel aus Vermietung, verringert die Versorgungslücke.

Versorgungslücke bei Angestellten
Arbeitnehmer können gegebenenfalls mit der Zahlung einer halben oder ganzen Erwerbsminderungsrente rechnen, wenn sie die rentenrechtlichen Voraussetzungen der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllen. Die Höhe der jeweiligen Rente kann jeder Versicherte in der Renteninformation der gesetzlichen Rentenversicherer nachlesen, die einmal pro Jahr an die Versicherten verschickt wird. Wer tatsächlich eine Erwerbsminderungsrente ausgezahlt bekommt, der kann bei der vollen Rente – grob geschätzt – mit etwa 38 Prozent seines Bruttoeinkommens rechnen. Bei der halben Erwerbsminderungsrente finden sich entsprechend nur rund 19 Prozent des Bruttoeinkommens im Geldbeutel wieder. Je nach individueller Erwerbsbiografie können diese Werte jedoch höher, aber auch niedriger ausfallen. Wer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, erhält vom Staat aber nicht automatisch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Nur Versicherte, die weniger als drei Stunden am Tag arbeiten können, haben einen Anspruch auf die volle Erwerbsminderungsrente. Kann der Versicherte täglich zwischen drei und sechs Stunden irgendeiner Tätigkeit nachgehen, bekommt er nur die halbe Rente, es sei denn, der allgemeine Arbeitsmarkt ist für ihn verschlossen. Dann wird ebenfalls die volle Erwerbsminderungsrente gezahlt. Die körperliche Beeinträchtigung muss also sehr schwerwiegend sein, um einen Rentenanspruch zu begründen. Da die gesetzliche Erwerbsminderungsrente nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu halten, ist privater Schutz bei Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit unerlässlich. Die versicherte Rente sollte sich dabei am Nettoeinkommen orientieren. Nicht jedes Versicherungsunternehmen bietet eine Absicherung bis zu dieser Höhe an, zwischen 75 und 80 Prozent sind in der Regel aber versicherbar. Wichtig: Gehaltssteigerungen sowie die Wirkungen der Inflation sollten berücksichtigt werden. Dafür lässt sich beispielsweise eine sogenannte „Dynamik” vereinbaren. Dann steigt mit dem Versicherungsbeitrag auch die versicherte Berufsunfähigkeitsrente im Laufe der Jahre automatisch.

Versorgungslücke bei Selbstständigen
Bei Selbstständigen stellt sich die Situation meist sehr ungünstig dar. weil sie oft nicht einmal Anspruch auf die gesetzliche Rente haben. Hier gilt es, sich einen Überblick über die regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben im Haushalt zu verschaffen, um die Höhe der Lebenshaltungskosten festzustellen. Diese sollten dann entsprechend über einen privaten Berufsunfähigkeitsschutz abgesichert werden. Ansonsten gilt grundsätzlich, dass sich die für die weit gehende Aufrechterhaltung des Lebensstandards notwendigen Einnahmen in der versicherten Berufsunfähigkeitsrente widerspiegeln sollten.
Dem Versicherungsunternehmen müssen Selbstständige nachweisen, dass ihre Tätigkeit regelmäßig entsprechende Einnahmen abwirft. Der Nachweis erstreckt sich üblicherweise über einen Zeitraum von drei Jahren rückwirkend. Sinn und Zweck dieser Prüfung ist es. eine Art Durchschnittseinkommen zu ermitteln. So soll verhindert werden, dass eine Berufsunfähigkeitsrente versichert wird, die – etwa aufgrund eines außerordentlich guten Geschäftsjahres – deutlich oberhalb dieses Durchschnittseinkommens liegt. Wer sein Unternehmen gerade erst gegründet hat, kann zunächst meist nur eine bestimmte Rentenhöhe versichern. Die Größenordnungen sind von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich, liegen aber meist zwischen 500 bis 1000 Euro monatlich. Auch hier ist die Vereinbarung einer Dynamik sinnvoll. Auch bei der Berufsunfähigkeitsprüfung gelten für Selbstständige besondere Bestimmungen. Bei ihnen zählt zum „Beruf” nicht nur die Tätigkeit, die sie selbst ausüben. Geprüft wird auch, ob der Selbstständige nach einer Krankheit oder einem Unfall bestimmte Aufgaben delegieren kann. Eine solche Umorganisation des Betriebes oder eine Neustrukturierung der Aufgabenverteilungen im Geschäft ist einem Selbstständigen generell zuzumuten; allerdings nur. wenn dies ohne erhebliche finanzielle Einbußen oder hohe Investitionen umsetzbar ist.

Was ist bei Arbeitslosigkeit?
Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt und arbeitslos wird, sollte diesen Versicherungsschutz möglichst aufrechterhalten. Der Leistungsanspruch bleibt so bestehen. Außerdem ist es teurer, eventuell sogar unmöglich, nach einer Vertragskündigung später erneut eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Teurer wird es, weil das höhere Eintrittsalter bei der Beitragskalkulation zugrunde gelegt werden muss und die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, mit dem Alter steigt. Unmöglich wird der Abschluss einer neuen Police eventuell, weil zwischenzeitlich aufgetretene Erkrankungen eine Versicherung nicht zulassen.
Wer arbeitslos ist und eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchte, muss in der Regel Versicherungsgrenzen hinsichtlich der Rentenhöhe beachten. Es wird hier ähnlich verfahren wie etwa bei Schülern oder Studenten. Allerdings besteht bei Arbeitslosen voller Berufsunfähigkeitsschutz, sofern ein Beruf erlernt wurde. Bei der Frage nach dem Beruf sollte der Antragsteller „arbeitslos” angeben und den zuletzt ausgeübten Beruf nennen. Hat der Arbeitslose keine abgeschlossene Ausbildung, wird eine individuelle Lösung gesucht.

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